Sneak Peak: Ausschnitt aus Code Sexy 3 – Lügen und Vergissmeinnicht

Code Sexy 3 - Lügen und Vergissmeinnicht

Code Sexy 3 – Lügen und Vergissmeinnicht

Die Sonne war gerade untergegangen. Über dem Pazifik spannte sich der Himmel wie ein Meer aus Farben. Rosarote Wolken schwebten über dem purpurfarbenen Horizont. Dort, wo der Himmel das Meer küsste, brannte er von einem leuchtenden Orange bis zu einem tiefen Rot. Weiter oben, wo ein Flugzeug gen Hawaii flog und einen weißen Kondensstreifen hinterließ, hatte er sich lila gefärbt. Etwas nördlicher und höher, dem Zenit entgegen, wurde er ultramarinblau. Er schillerte und leuchtete wie die Farbpalette eines Malers, vielleicht sogar noch intensiver.
Grace starrte aufs Meer hinaus. Es war kaum zu sehen, wo der Himmel endete und der Ozean begann. Aber, um ehrlich zu sein, es war ihr in dem Augenblick völlig egal, was oben oder unten, nass oder trocken, Himmel oder Erde war. Sie war viel zu aufgeregt. Sie befand sich in der Dark Oak Bay, dreißig Tage nach Erhalt des Briefes von diesem mysteriösen jungen Mann, der sich R. nannte und ihr seit geraumer Zeit Lilien schickte. Heute wollte er sie sehen und ihr sagen, wer er war und warum er sie mochte.
Grace sah nervös auf die Uhr. Es war Punkt zehn Uhr am Abend. In der Ferne konnte Grace eine Kirchenglocke läuten hören. Es war soweit. Zehn Uhr würde er sie treffen, hatte er geschrieben.
Grace schaute sich um. Sie war allein. Weit und breit war niemand zu sehen. R. hatte ihr extra aufgetragen, sie solle ohne Begleitung erscheinen. Ihre Freundin Mabel hatte ihr zwar angeboten, mitzukommen, für den Fall, dass sich der Fremde als psychopathischer Serienmörder entpuppte, aber Grace hatte darauf bestanden, allein zu sein, wie er es gefordert hatte.
Ihr Herz klopfte. Was, wenn Mabel Recht hat?
Sie schüttelte schnell den beängstigenden Gedanken ab und sah sich erneut um. Die Dark Oak Bay war eine kleine Bucht im Norden San Franciscos, schmal und abgeschieden. Tagsüber verirrten sich hin und wieder Touristen hierher, aber am Abend befand sich in der Bucht niemand. Nur ein schmaler Pfad führte über Felsen in die Dark Oak Bay. Der Weg war uneben und voller Wurzeln von den Eichen, die ein kleines Wäldchen bildeten und der Bucht ihren Namen gegeben hatten.
Zu Grace‘ Füßen rollte der Ozean ans steinige Ufer. Ein Steilhang führte hinab. Auf der steinigen Erhebung stand Grace neben einem Felsen und wartete. Der Stein war noch warm von den Strahlen der Sonne und erhitzte ihre Wangen.
Erneut sah sie sich um. Sie glaubte, ein Zweiglein knacksen zu hören. Doch es war niemand zu sehen.
Langsam wandelte sich das Herzklopfen in Ungeduld. Sie sah erneut auf die Uhr. Zehn nach zehn. Er war eindeutig zu spät.
Grace lugte hinter dem Stein hervor und den Pfad hinunter, um zu sehen, ob er vielleicht den Weg entlanghastete. Es kam jedoch niemand herauf. Sie war immer noch allein. Der Himmel über dem Horizont hatte sich inzwischen in ein tiefes Burgunderrot gefärbt, das Blau im Zenith war zu einem samtigen Dunkelblau geworden. Nur noch wenig Licht fand seinen Weg in die Dark Oak Bay. Die Schatten der Felsen und Eichen dominierten das Gelände. Nur noch wenige Minuten, dann würde es richtig dunkel sein.
Grace sah sich unruhig um. Wo blieb er nur?
Wieder knackste ein Zweig, danach raschelte es im Gebüsch. Grace blieb fast das Herz stehen. Kam er etwa aus dem Wald?
Doch es war kein Mann, der zwischen den Eichen hervortrat, sondern ein Reh. Grace hielt die Luft an und rührte sich nicht, um es nicht zu verscheuchen. Das Tier kam ganz gemächlich zwischen den Bäumen hervor, sah sich entspannt um, bevor es hinter ein paar Büschen verschwand.
Grace atmete tief ein und aus, sobald das Reh verschwunden war, und sah erneut auf die Uhr. Zwanzig nach zehn. Noch immer war R. nicht aufgetaucht. Der Himmel war inzwischen fast vollständig dunkel. Nur am Horizont, direkt über dem Ozean, spannte sich ein schmaler roter Streifen.
Grace ließ die Schultern hängen. Er kam nicht. Er hatte sie versetzt. Seit dreißig Tagen hatte sie auf diesen Moment gewartet. Sie hatte die Tage gezählt, sogar heimlich eine Strichliste in ihrem Kalender angefertigt, damit sie dieses Treffen nicht verpasste. Sie hatte so viele Fragen an den Fremden, warum er sie mochte, wieso er ihr Blumen schenkte, woher er sie kannte … Sie hatte sich in den vergangenen Tagen so intensiv mit ihm und ihren Fragen an ihn und sogar seinen möglichen Antworten beschäftigt, dass er ihr viel vertrauter vorkam, als es bisher der Fall gewesen war. Daher traf es sie umso härter, dass er nicht auftauchte, sondern sie allein in der Dämmerung stehenließ.
Fünf Minuten gebe ich ihm noch, dachte Grace. Er könnte im Stau stecken, durch seinen Chef aufgehalten worden sein oder er musste unterwegs einen Menschen retten. Alles gute Gründe, sich etwas zu verspäten …

Kommt er oder kommt er nicht? Der dritte Band von „Code Sexy – Lügen und Vergissmeinnicht“ erscheint am 3.juni 2015, dann erfahrt ihr, wie das Treffen zwischen Grace und dem mysteriösen Mann ausgeht!

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